Ein ganz schwieriges Thema, und hier kommt wieder mal der Vater zweier Töchter auf der weiterführenden Schule zu Wort. Wie viele andere Eltern verstehe ich mich dort immer öfter als „Hilfslehrer der Nation“, der immer öfter die Defizite des Systems ausbaden muss. Allein bei dem Thema „Unterrichtsausfall“ platzt mir regelmäßig der Kragen. Wird ein Lehrer länger krank, findet planlos Vertretung statt und schon bald hinkt die Klasse im Stoff hinterher. Dennoch drohen Klassenarbeiten und spätestens dann realisieren meine Töchter ihre Schwierigkeiten, stehen auf der Matte und quälen mich mit Französisch, Deutsch oder Englisch. „Haben wir nicht durchgenommen oder nur mal kurz angesprochen, kommt aber in der Arbeit vor“, höre ich immer wieder und dann kompensieren wir den Mangel mit unserer Freizeit und dem Einsatz fleißiger und kluger Oberstufenschüler.

Ich habe keine Probleme damit, in dem einen oder anderen Elternkreis nicht nur Geld zu spenden, sondern mich auch gezielt mit Zeit einzubringen. Nur müssen der zeitliche Aufwand für mich planbar und die Resultate meiner Leistungen nachvollziehbar sein. Solange ich kein „Notnagel“ eines systemimmanenten Debakels bin, sondern Mitgestalter einer Lernwelt, fühle ich mich gut.

Schulleben impliziert die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Eltern. Eltern sind die Promotoren ihres Kindes und die Elternschaft ist der Promotor für den Klassenverband. Erfolgreiche Elternarbeit ist ein Garant für abwechslungsreichen Unterricht und guter Unterricht sorgt für engagierte Elternarbeit.

Leider lernt man im Studium nicht, wie man Eltern für seine Arbeit interessiert und gewinnt und man lernt ebenso wenig, Eltern und ihre Befindlichkeiten zu erfühlen und auch zu verstehen. Wenn man nicht gerade mit einem übermenschlichen Einfühlungsvermögen gesegnet ist, gelingt einem das erst, wenn man selbst in der Elternrolle steckt. Vorher hat man die „immanenten Ängste und Sorgen um das Liebste der Welt“ in ihrem Ausmaß und ihrer Wichtigkeit tatsächlich nicht erahnen können, sondern eher belächelt. Nicht nur Mütter kehren in der Not des Kindes die Löwin heraus, auch Väter entwickeln sich immer öfter zu „Rächern bedrohter Kinderseelen“. Ich beziehe mich da durchaus mit ein. ;O)

Für die Lehrkraft gilt es, diese Elternliebe in all ihren Ausprägungen zu akzeptieren. Es ist wunderbar, wenn sie vorhanden ist und es ist ein erstrebenswertes Ziel, diese für die Gemeinschaft nutzbar zu machen. Erfolgreiche Elternarbeit definiert sich darin, dass die Elternschaft mit im Boot sitzt und Mitgestalter des Lernens wird. Gerade die Grundschule bietet unzählige Möglichkeiten, Eltern sinnvoll und den Alltag bereichernd in das Unterrichtsgeschehen mit einzubeziehen. Eltern lassen sich begeistern für Computer- und Lesestunden, für tatkräftige Unterstützung bei Kunstprojekten oder Schulgarteneinsätzen, manche lassen sich gar auf der Arbeit besuchen… Eltern bringen Haustiere zu Besuch, basteln, backen und kochen mit den Kindern und sind unverzichtbar bei Festen und Feiern und der Begleitung von Unterrichtsgängen und Ausflügen. Damit sich Eltern mit ihrem Einsatz wohl fühlen, bedarf es einer langfristigen Planbarkeit und echter Transparenz des Unterrichtsgeschehens. Dies lässt sich durch regelmäßige Elternbriefe umsetzen, die ähnlich wie ein Newsletter monatlich in der Postmappe liegen. Hier hat die Lehrkraft die Möglichkeit, über den Schulalltag zu berichten und die weitere Planung transparent zu machen. Es können auch Meinungen erfragt oder Vorschläge abgestimmt werden. So wird es möglich, die Elternschaft für die gemeinsame Arbeit mit den Kindern und für die Kinder zu gewinnen und eine Gemeinschaft aufzubauen. Kontinuierliche Information nimmt Ängste und verhindert Missverständnisse. Sie macht es möglich, Elternarbeit immer wieder wertzuschätzen, indem ihr Nutzen und Gewinn für das Lernen der Kinder auch schriftlich manifestiert wird. Denn machen wir uns nichts vor, nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Eltern benötigen Lob und Anerkennung für Ihren Einsatz.