Im Konzept der Niekao-Lernwelten begreifen wir das Kind als Individuum. Das Kind ist nicht gleichzusetzen mit dem „egozentrischen Egomanen“, sondern wird bewusst als lernfähiges und soziales Wesen anerkannt, welches Spaß an der Gemeinschaft entwickeln kann und soll. Das bedeutet, einen Spagat zu üben. Es gilt, die Einzigartigkeit des Kindes anzuerkennen und zu respektieren und gleichzeitig jene Potentiale zu fördern, die ein kooperatives Verhalten in den Lernwelten fördert, also Lehrer und Eltern nicht zur Verzweiflung treibt. Unser Vorteil an der Grundschule ist dabei, dass sich Kinder häufig erst in der Grundschulzeit zum Klassenverband zusammen fügen. Dennoch merkt man schnell welches Kind ein hohes Potential zum notorischen Störfaktor hat.

Dabei liegt dies häufig daran, dass die Kinder mit deutlich unterschiedlichen Lernständen in der Schule erscheinen. Es gibt Kinder, die haben in ihrem bisherigen Leben noch kein Buch aufgeschlagen – andere können bereits Wörter erkennen oder sogar lesen und ein wenig rechnen und schreiben. Dabei kann man nur bedingt auf den ersten Blick unterscheiden, ob wirklich schon eine gewisse Kompetenz zum Rechnen, Schreiben und Lesen vorhanden ist oder lediglich durch stetige Übung eine gewisse Grundfertigkeit angebahnt wurde.

Konsequenz – ein wirres Gewusel im buntem Haufen Kinder. Fangen wir da an mit einem gemeinsamen Unterrichtsstoff und zwingen alle Kinder in den Gleichschritt produzieren wir mit einem Schlag eine Situation der Über- und Unterforderung mit – wenn wir Glück haben – einem breiten Mittelfeld – was ausgelastet erscheint.

Wir produzieren am einem Ende und am anderen Ende – wegen permanenter Über – oder Unterforderung sehr schnell und effektiv „Störfaktoren“. Lernen im Gleichschritt – verlangt eine Pädagogik – des „Einnordens“ ein netter Begriff – aus dem militärischen Umgangston; meint durch Drill auf Linie trimmen oder Koch´s hessisches Erziehungscamp mit Unterrichtscharakter. Eine Schule, die wir zumindest unseren Kindern nicht wünschen und an der viele von uns Lehrenden nicht arbeiten wollen. Das Meinungsforschungsinstitut Gallup befragt in regelmäßigen Abständen erwerbstätige Personen bezüglich ihres Engagement und ihrer Motivation. Das erschreckende Ergebnis: Nur wenige sind motiviert und engagiert ein Großteil macht Dienst nach Vorschrift , ein ähnlich hoher Anteil wartet auf Rente (manchmal ab den 20.ten Lebensjahr) und ein stetig steigender Anteil boykottiert bis die gemeinsame Leistung. Ob eine Umfrage unter Grundschülern großartig andere Ergebnisse liefert mag mancher bezweifeln – ob es im Kollegium und der Elternschaft anders aussieht würde mich persönlich sehr interessieren.

Erwachsenen fällt die Aufgabe und innere Einstellung zu, dem Kind mit Respekt zu begegnen. Das heißt nicht, die „lange Leine rausholen“ um mal zu sehen, was passiert. Es heißt vielmehr die Stärken erkennen, zu loben und zu fördern und gleichzeitig auf die Einhaltung der Klassenregeln zu pochen. Dem Kind muss klar werden, welche Verhaltensweisen erwünscht sind und positives Feedback bringen. Positive Verstärkung löst Kataloge möglicher Verstöße und deren Ahndung ab.